
Teure Lebensmittel müssen doch die Bauern reich machen. Stimmt so nicht ganz. Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat die Erlösanteile der Landwirtschaft an den Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel ermittelt. Diese fallen je nach Produktgruppe sehr unterschiedlich aus. Besonders gering ist der Anteil bei Brotgetreide und Brotgetreideerzeugnissen: Von jedem Euro, den Verbraucher dafür ausgeben, entfallen rechnerisch gerade einmal 4,3 Cent auf die Landwirtschaft. Zugegeben: Ein sinkender prozentualer Anteil bedeutet nicht zwangsläufig sinkende Erlöse oder Gewinne.
Dennoch steht die Landwirtschaft unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Jeder fünfte befragte Sauenhalter will aufgeben. Als Gründe gelten hohe Investitionskosten, Marktrisiken und neue Anforderungen an die Tierhaltung. Noch dominiert die Haltungsform 2 mit 58 Prozent, doch ihr Anteil dürfte künftig zurückgehen. Dabei darf nicht vergessen werden, worum es bei den Haltungsanforderungen eigentlich geht. Schweine brauchen ausreichend Platz, Bewegungsfreiheit und Möglichkeiten, ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben. Diese Bedürfnisse dürfen natürlich nicht dauerhaft dem wirtschaftlichen Druck untergeordnet werden.
Hier zeigt sich ein grundlegender Widerspruch. Bessere Lebensbedingungen für die Tiere lassen sich offenbar nur schwer mit den wirtschaftlichen Anforderungen der Schweineproduktion vereinbaren. Steigende Energie- und Personalkosten sowie kostspielige Stallumbauten verschärfen den Druck. Statt die Tierhaltung zu verbessern, könnten diese Belastungen dazu führen, dass weitere Betriebe aufgeben und sich die Produktion ins Ausland verlagert – möglicherweise in Länder mit niedrigeren Tierschutzstandards.
Gleichzeitig achten Verbraucher auf den Preis. Gleichzeitig achten Verbraucher auf den Preis. Schließlich werden auch sie durch Steuern, Abgaben und steigende Lebenshaltungskosten zur „Mastsau“ eines hungrigen Verwaltungs- und Regierungsapparats geschlachtet. Die Frage ist also, wer die zusätzlichen Kosten einer tiergerechteren Haltung tragen soll.
Und das Tierwohl? Bei einem Schweinepreis von aktuell 1,40 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht wird es mit notwendigen Investitionen schwierig. Langfristig werden Schweinehalter so weder dem Marktdruck noch den Anforderungen an bessere Haltungsbedingungen ausreichend gerecht werden können.
Dabei liegen konkrete Vorschläge zur Entlastung längst auf dem Tisch. Die AfD fordert unter anderem weniger Bürokratie, niedrigere Energiekosten, steuerliche Entlastungen und mehr Investitionssicherheit für landwirtschaftliche Betriebe. Das könnte den Bauern finanzielle Spielräume eröffnen, die sie auch für eine Verbesserung der Tierhaltung benötigen.
Denn wer mehr Tierwohl will, muss auch dafür sorgen, dass sich die Landwirte bessere Haltungsbedingungen wirtschaftlich leisten können.
