Rekrutierung im Altersheim? Reservistenverband fordert Anhebung der Altersgrenze auf 70.

Der neue Präsident des Reservistenverbandes, CDU-Politiker Bastian Ernst, fordert eine deutliche Anhebung der Altersgrenze für Reservisten von 65 auf 70 Jahre, um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Die Bundeswehr will die Zahl der Reservisten mittelfristig auf 200.000 erhöhen. Derzeit sind rund 60.000 Reservisten beordert, also von der Bundeswehr fest eingeplant und damit schnell verfügbar.

Carsten Hütter, sicherheitspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion Sachsen und ehemaliger Zeitsoldat, erklärt dazu:

„Die Forderung, die Altersgrenze für Reservisten auf 70 Jahre anzuheben, ist unüberlegt, weltfremd und ein vollkommen falsches Signal. Wenn es nach der Union geht, sollen die Deutschen immer länger arbeiten, Steuern zahlen und nun auch noch länger ‚kriegstüchtig‘ werden. Wie so häufig, wird auch bei diesem absurden Vorschlag das Gegenteil vom Angestrebten erzeugt. Statt die Einsatzfähigkeit der Reserve real zu verbessern, werden Kosten und Verwaltungsaufwand steigen. Auch nimmt mit zunehmendem Alter die körperliche Belastbarkeit und damit militärische Eignung naturgemäß ab. Es hat schließlich einen Grund, dass Berufssoldaten spätestens mit 65 Jahren pensioniert werden, die meisten erheblich früher. Ein veralteter Ausbildungsstand der Reservisten kommt als Problem hinzu. Wer vor 50 Jahren die Wehrpflicht geleistet hat, wurde ganz anders ausgebildet. Vor allem im technischen Bereich gab es mitunter massive Veränderungen. Nur eine von vielen Fragen lautet also: Wer soll Wehrübungen mit den deutlich älteren Reservisten überhaupt sinnvoll und verantwortbar durchführen?

Nach vielen Jahren fehlender Investitionen in die Bundeswehr wirkt diese Maßnahme wie der verunglückte Versuch, schnell Erfolge auf dem Papier zu generieren. Ein Zahlenanstieg ohne echte Substanz. Das mag in Statistiken gut aussehen, stärkt die Verteidigungsfähigkeit aber überhaupt nicht. Außerdem erinnert das Ganze an den bevormundenden Grünen-Vorstoß eines verpflichtenden ‚Freiheitsdienstes‘ für alle zwischen 18 und 67.

Abschließend möchte ich allerdings klarstellen: Wer mit 69 oder 70 Jahren Reservist sein will, soll das selbstverständlich können. Eine rein freiwillige Öffnung für diese Jahrgänge kann gern diskutiert werden. Es werden aber nur sehr wenige Männer davon Gebrauch machen, der Aufwand ist überschaubar. Eine Pflicht- oder Regelverlängerung bis 70 ist jedoch eindeutig der falsche Weg! Zynisch könnte man meinen, dass die CDU hier mit der nächsten Idee um die Ecke kommt, wie sie zukünftig die Renten- und Pflegekassen entlasten will: Rentner in die Schützengräben statt ins Seniorenheim.“

https://www.welt.de/politik/deutschland/article69e70d922b77976b1d64fdc4/bundeswehr-reservistenverband-fordert-anhebung-der-altersgrenze-auf-70-jahre.html